Schuldenreport 2021 - Ein Jahr mit der Pandemie

Diese Tage wurde der Schuldenreport 2021 mit den Daten aus 2020 veröffentlicht. In Summe nahmen knapp 55.000 Personen in Österreich im Jahr 2020 das Angebot der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Anspruch. Die Ausmaße der Corona-Pandemie machen sich natürlich auch im Report bemerkbar. Viele Leute sind nach wie vor arbeitslos und landeten aufgrund einer Einkommensminderung in der Schuldenfalle (33 %). Trotz staatlicher Hilfen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie sich die Situation ohne staatlicher Hilfen darstellen würde. Die Frage bleibt jedoch bestehen, ob die Krise bestehende Probleme nicht einfach bloß aufgedeckt und beschleunigt hat.

Ein ebenfalls wesentlicher Grund für Überschuldung ist der Umgang mit Geld. Mehr als 20 % der Klientinnen gab an, dass der Umgang mit Geld zur Überschuldung führte und insbesondere junge Leute unter 30 seien im vergangenen Jahr sehr stark betroffen. Dass Klientinnen, die dreißig Jahre oder jünger sind, mit durchschnittlich € 31.714 verschuldet sind, ist der absolute Hammer. Erst einmal in dieser Schuldenspirale gefangen, geht es ganz schnell weiter nach unten. Zinsen, Mahnungen und Inkassos bis hin zu Gehaltspfändungen verursachen einen Sog, aus dem sich ein junger Mensch alleine gar nicht mehr befreien kann.


Sparen und Haushalten sind Tugenden, die nicht mehr en Vogue sind. Speziell junge Leute tendieren immer mehr dazu von der Hand in den Mund zu leben. Handyverträge, Fitnessstudios, Streamingdienste oder ein super Auto treiben den ohnehin schon großen Fixkostenblock weiter nach oben. Lässt der Einkommensstrom nach oder versiegt gar komplett, geht es schnell. Konsumkredite, Dispo vom Girokonto werden aufgenommen und verschärfen das Problem. Schließlich fallen auch dafür Zinsen an. Manchen Leuten ist das Auto jedoch wichtiger als die finanzielle Sicherheit. Generell scheint der Status eine immer wesentlichere Rolle zu spielen. Man definiert sich darüber, was man hat, und nicht darüber, wer man ist. Das ist schade.


Der Finanzführerschein, der in mehreren Bundesländern angeboten wird, ist eine tolle Sache für Kinder und Jugendliche. Er soll jungen Leuten, je nach Altersgruppe, praxisnahes Wissen zu Geldthemen beibringen. Ich hätte so etwas früher auch gerne gehabt. Mir hätte das sehr viele Sorgen erspart. Es ist wichtig, Kindern schon von klein auf zu vermitteln, dass ein sorgsamer Umgang mit Geld ein wesentliches Element im Leben ist. Sparen sollte schon in der Kindheit in Fleisch und Blut übergehen.


Die Corona-Pandemie zeigt auf eine sehr harte Art und Weise, wie wichtig finanzielle Sicherheit ist. Dass ein Notgroschen unabdingbar ist, um auch in Krisensituationen die Kontrolle behalten zu können. Hat man für schlechte Zeiten etwas auf der Seite, ist man nicht sofort darauf angewiesen, Schulden aufzubauen. Und es lebt sich auch sorgenfreier, wenn man mit einem Polster zu Bett geht.


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